Kryptoassets: Tokenisierte Vermögenswerte auf dem Vormarsch

Kryptoassets: Tokenisierte Vermögenswerte auf dem Vormarsch

Mai 2021 | Kryptoassets gewinnen auch bei institutionellen Investoren zunehmend an Bedeutung. Dabei geht es nicht nur um Kryptowährungen wie Bitcoin, sondern auch um tokenisierte Vermögensanlagen wie Security Token. Ihr Vorteil: Sie korrelieren nur wenig mit klassischen Anlagen wie Aktien. Daher bieten sie sich neben Gold und Rohstoffen zur Diversifizierung an. Auch Unternehmen greifen mittlerweile zu dieser Assetklasse.

Die Nachricht ging weltweit durch die Presse. Anfang des Jahres 2021 hatte Tesla 1,15 Millionen Dollar in Bitcoin investiert. Elon Musk hatte weiterhin angekündigt, Bitcoin auch in der Zukunft als Zahlungsmittel anbieten zu wollen. Die Folge: Binnen der nächsten 14 Tage stieg der Bitcoin-Kurs um 20.000 US-Dollar. [Update 13.5.2021: Von der Aussage, Bitcoin zur Zahlung anzubieten, ist das Unternehmen zwischenzeitlich wieder abgerückt, wie Musk auf twitter bekannt gab.]

Wie der Quartalsbericht Q1 zeigt, der Ende April erschien, hat das Investment sich gelohnt. Ein Teil des Bestandes (10 Prozent) wurde bereits wieder verkauft und hat Kursgewinne in Höhe von 101 Millionen US-Dollar erzielt. 

Kryptoassets als Firmeninvestment

Tesla ist mit dieser Investmentstrategie nicht allein, wie eine Statistik von bitcointreasuries.org beweist. Die Liste umfasst mehr als 55 Unternehmen, die zusammen über 1,4 Millionen Bitcoin mit einem Wert von über 82,6 Milliarden US-Dollar halten (Stand: 10. Mai 2021). Darunter befindet sich auch der Softwarehersteller Microstrategy. Kryptoinvestments können also in gewisser Hinsicht durchaus ein interessantes Firmeninvestment sein.

In seinem Gastbeitrag im manager magazin geht Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank, der Frage nach, wie sinnvoll das ist. 

Sein Fazit: Neben Cash, Aktien, Anleihen und Gold kann durchaus etwas Bitcoin in der Reserve liegen. Nur überhand nehmen sollte es nicht. Zum einen, weil Reserven auch kurzfristig zur Verfügung stehen sollten. Das könne bei der hohen Volatilität des Bitcoin ein Risiko darstellen. Zum anderen aber auch, weil das wahre Geschäftsmodell eines Unternehmens so durchaus in Frage gestellt werden kann. Anleger, so de la Rubia, dürften darauf drängen, das überschüssige Eigenkapital dem eigentlichen Unternehmenszweck zuzuführen oder es auszuschütten. Er empfiehlt solche Investments eher entsprechend ausgerichteten Vermögensverwaltern. 

Wie halten es die Vermögensverwalter mit Kryptoassets?

Aufgrund der fortschreitenden Regulierung können mittlerweile auch große institutionelle Investoren in die neue Anlageklasse investieren. Dazu gehören Vermögensverwalter, Fondsgesellschaften, Banken, Family Offices, Versicherungen und Pensionskassen.

Und das tun sie auch, wie der Report „Wie weit geht institutionelle Nachfrage nach digitalen Vermögenswerten?“ von Cointelegraph Research* zeigt. In die Umfrage aus November 2020 fließen die Erfahrungswerte von 55 professionellen Investoren ein. Die Zahl mag zunächst gering erscheinen. Doch ihr verwaltetes Gesamtvermögen beläuft sich auf über 719 Milliarden Euro. 

36 Prozent dieser Investoren verfügen bereits über blockchainbasierte Vermögenswerte in ihrem Portfolio. Dazu zählen vor allem Direktinvestments in Kryptowährungen wie Bitcoin (88 Prozent) und Ethereum (75 Prozent). Security Token rangieren mit 31 Prozent an dritter Stelle. 

Diese Zahlen decken sich im Übrigen mit einer Umfrage von Greenwich Associates. Hier wurden 2019/2020 fast 800 Investoren in den USA und Europa befragt. Dabei ergab sich, dass rund ein Drittel bereits in digitale Vermögenswerte investiert ist. Es gibt durchaus kulturelle Unterschiede: Europäische Investoren zeigten bei der Befragung eine progressivere Sicht auf Kryptoassets. 

Grafik: In welche digitalen Vermögenswerte hat Ihr Unternehmen bereits investiert?

Grafik: In welche digitalen Vermögenswerte hat Ihr Unternehmen bereits investiert?

Quelle: Cointelegraph Research

Auch Investments in Fonds oder Futures sind verbreitet. Insgesamt kommen hier über sechs Milliarden Euro in Blockchain-Investments zusammen. Das entspricht etwa zwei Prozent aller digitalen Vermögenswerte. 

Doch die restlichen Investoren sind keineswegs desinteressiert an digitalen Assets. 39,3 Prozent von ihnen planen eine blockchainbasierte Investition. 14 Prozent davon tun dies innerhalb der nächsten zwölf Monate. 

Grafik: Plant Ihr Unternehmen Investitionen in digitale Vermögenswerte?

Grafik: Plant Ihr Unternehmen Investitionen in digitale Vermögenswerte?
Quelle: Cointelegraph Research

Security Token befinden sich im Aufwind

Dabei fragt der Report auch ab, in welche digitalen Vermögenswerten die Institutionellen zu investieren planen. Bitcoin steht mit 24 Prozent dabei wieder an der Spitze. Doch: Security Token liegen gleichauf, noch vor Ethereum und anderen Kryptowährungen. Der Grund könnte in der zunehmenden Regulierung von Security-Token liegen.

Grafik: In welche digitalen Vermögenswerte sind Investments geplant?

Grafik: In welche digitalen Vermögenswerte sind Investments geplant
Quelle: Cointelegraph Research

Am aktivsten involviert sind Family Offices und Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von weniger als 100 Millionen Euro. Am wenigsten befasst sind noch die Pensionskassen. Auch dafür liefert der Report einen möglichen Grund: Sie investieren mit einem sehr langen Zeithorizont. Dem scheine die Kryptowelt mit „nach wie vor von kurzfristigen Hypes, schnellen Erfolgserlebnissen, aber auch plötzlichen Verlustgeschichten“ zu widersprechen. 

Grafik: Anteil der Segmente der Investoren, die bereits in digitale Vermögenswerte investiert haben oder es beabsichtigen

Grafik: Zugehörigkeit der Investoren die bereits in digitale Vermögenswerte investiert haben oder es beabsichtigen

Quelle: Cointelegraph Research

Interesse der Banken an Kryptoassets nimmt zu

Ein Trend manifestiert sich dieses Jahr deutlich: Die Banken erkennen das Potenzial der digitalen Assets. Seit 2020 dürfen sie ja in den Handel und die Verwahrung von Kryptowährungen einsteigen. Die Berliner Solarisbank war eine der ersten Banken, die diese Möglichkeit in Deutschland genutzt hat. Weitere 40 hatten direkt zu Beginn ihr Interesse an einer Verwahrlizenz bei der BaFin beantragt, darunter auch das Münchener Bankhaus von der Heydt.  Auch M.M.Warburg & CO sorgte dieses Jahr als exklusiver Investor beim Security Token Offering (STO) des Wohnungsbaukonzerns Vonovia für Aufmerksamkeit.

Ende April folgte dann die nächste frohe Kunde. Die Deutsche Börse und die Commerzbank AG planen einen Marktplatz für digitale Vermögenswerte. Mit an Bord ist das FinTech 360X. Dabei geht es nicht Kryptowährungen. Weder die Deutsche Börse noch die Commerzbank bietet ihren Kunden den direkten Zugriff auf Bitcoin & Co an. Stattdessen werden explizit tokenisierte Vermögenswerte gehandelt. BTC Echo zitiert den Vorstandsvorsitzenden der Deutsche Börse AG, Theodor Weimer: 

“Ich bin überzeugt, dass sich die Deutsche Börse in neue Assetklassen wagen muss. In Zukunft werden wir eine breite Tokenisierung und Digitalisierung von Assets sehen, die heute nicht handelbar sind.” 

Diese Überzeugung teilen wir. Und gehen noch einen Schritt weiter: Die Maßnahme wird eine direkte Auswirkung auf Security Tokens haben. Dem die Liquidität wird den deutschen Markt für digitale Wertpapiere beflügeln. 

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* Die Umfrage wurde von Juni bis September 2020 an alle registrierten professionellen Investoren der BaFin (Deutschland), der FMA (Österreich), der FINMA (Schweiz) und der FMA (Liechtenstein) übermittelt. Sie beinhaltet die Aussagen von 55 professionellen Investoren im deutschsprachigen Raum. Kryptofonds wurden bewusst nicht mit in die Umfrage einbezogen, es geht um die Nachfrage nach digitalen Vermögenswerten bei traditionellen Finanzintermediären.